Der Charakter des
Pyrenäenberghunds
Page: Charakter zusammenleben
Ein Hund mit Herz, Instinkt und einer
starken eigenen Persönlichkeit
Ein Pyrenäenberghund braucht von Beginn an
eine gerechte, liebevolle und konsequente
Erziehung. Unsere eigenen Pyrs sind ruhig,
anhänglich, beschützend und ausgesprochen
kinderfreundlich. Sie sind ideale Familienhunde,
zugleich aber auch wachsam, imposant und
gegenüber Fremden eher zurückhaltend – typisch
für einen Herdenschutzhund.Für einen Welpen
ist es entscheidend, früh positive Erfahrungen zu
sammeln und regelmäßig mit unterschiedlichen
Reizen in Kontakt zu kommen: Menschen, Tiere,
Geräusche, neue Situationen.
Gerade in der frühen Entwicklungsphase
verarbeitet ein Pyr enorm viele Eindrücke.
Ursprung und tief verankertes
Instinktverhalten
Der Pyrenäenberghund stammt aus den
Pyrenäen und wurde traditionell eingesetzt, um
Herden zu bewachen und zu schützen.
Diese Aufgabe prägte sein Wesen über viele
Generationen:
•
strategisches und vorausschauendes
Verhalten
•
selbstständige Entscheidungen
•
ruhige, aber ständige Wachsamkeit
•
ausgeprägte Beobachtungsgabe
•
Schutztrieb und Territorialbewusstsein
Auch auf Burgen wurden sie oft gehalten.
Mehrere Hunde verteilten sich dort strategisch,
sodass sie jede Bewegung im Umfeld
wahrnehmen konnten.
Dieses Verhalten ist instinktiv – es gehört zu
diesem Rassehund und lässt sich nicht „weg
trainieren“.
Man muss es verstehen, respektieren und
sinnvoll lenken.
Verhalten: Zusammenspiel von Genetik und
Umwelt
Ein erheblicher Teil des Hundeverhaltens ist
erblich beeinflusst. Viele Verhaltensmuster
werden genetisch weitergegeben, jedoch in sehr
unterschiedlichen Ausprägungen.
Ein Beispiel:
•
Agressives Verhalten besitzt laut Forschung
eine geringe Erblichkeitsrate. Es wird also nicht
einfach vererft, sondern entsteht meist durch:
•
mehrere beteiligte Gene
•
Umweltfaktoren
•
mangelnde Sozialisation
•
Stress oder Unsicherheit
Hunde, die hauptsächlich in Kennels leben und
kaum Umweltreize erhalten, entwickeln oft ein
sozial unsicheres Verhalten.
Fehlen Erfahrungen, kann der Hund nicht lernen,
Situationen richtig einzuschätzen.
Ein gut geprägter Pyrenäenberghund braucht
Reize, Bindung und Alltagserfahrungen.
Drei Typen des Pyrenäenberghunds
Die folgenden Typen beschreiben wir aus der
Sicht langjähriger Erfahrung.
Der Ursprung des Pyrenäenberghunds erklärt
viele van deze verschillen: Er wurde über
Jahrhunderte als Herdenschutzhund eingesetzt.
Die Grundmerkmale der Rasse bleiben gleich,
aber das Verhalten unterscheidet sich je nach
Lebensumfeld stark.
1. Der Familienhund
Ein Hund, der im Haus lebt, am Familienleben
teilnimmt und täglich verschiedene Reize erlebt.
Er ist meist sozialer, entspannter und
ausgeglichener.
2. Der Kennelhund
Ein Hund, der überwiegend in Zwingern oder
separaten Anlagen gehalten wird, nur selten
ausgeführt wird und wenig Umweltkontakt hat.
Diese Hunde sind häufig unsicherer, distanzierter
und reagieren anders auf Reize – nicht aus
„slechter karakter“, sondern aus mangelnder
Erfahrung.
3. Der Herdenschutzhund in der
Arbeitsfunktion
Ein Hund, der in der Herde geboren und
sozialisiert wird, zum Beispiel bei Schafen oder
Ziegen.
Er entwickelt ein starkes Territorialverhalten,
arbeitet völlig selbstständig und beschützt seine
Herde sein Leben lang.
Dies ist ein völlig anderer Typ als der
Familienhund.
Pyrenäenberghunde in
Zwingerhaltung
Ich möchte noch einmal kurz auf
Pyrenäenberghunde eingehen, die in Zwingern
oder in abgelegenen Außenbereichen mit einem
Nebengebäude gehalten werden.
Es ist leicht nachvollziehbar, dass diese Hunde
viel zu wenig Reize erhalten.
Eine kontinuierliche, liebevolle Begegnung mit
Menschen, anderen Tieren und
verschiedenen Umweltfaktoren ist jedoch
unverzichtbar für eine gute Sozialisation.
Für diese Sozialisation trägt in erster Linie der
Züchter Verantwortung.
Hunde brauchen regelmäßige Spaziergänge,
Begegnungen mit Menschen, anderen
Rassen, unterschiedlichen Geräuschen und
Umgebungen.
Ebenso wichtig ist es, junge Hunde mitzunehmen
zu Einkaufszentren,
Veranstaltungen und neuen Orten, damit sie
lernen, Reize richtig einzuordnen.
Leider sehe ich oft Zwinger, in denen der Hund
nur dann ins Haus darf, wenn ein
Wurf geplant oder geboren ist.
Lassen Sie sich davon nicht täuschen.
Beobachten Sie genau, wie und wo die
Hunde tatsächlich leben.
Auswirkungen der Zwingerhaltung auf
Verhalten und Sozialverhalten
Ein Hund muss Teil der Gesellschaft sein.
Wenn Sie einen Hund aufnehmen, der sein
bisheriges Leben überwiegend in einem
Zwinger verbracht hat, müssen Sie sich bewusst
sein, dass ihm viele Erfahrungen
fehlen – und dass dies großen Einfluss auf sein
Verhalten haben kann.
Das Verhalten eines Hundes ist immer eine
geteilte Verantwortung:
50% Züchter (Sozialisation, Umfeld, frühe
Prägung)
50% Besitzer (Erziehung, Alltag, Reize, Bindung)
Leider werden aktuell viele Pyrenäenberghunde
den Großteil des Tages in Zwingern
gehalten. Sie werden zu Ausstellungen
mitgenommen – oft endet dort der Kontakt mit
der
Außenwelt.
Solche Hunde sind häufig ängstlich, distanziert
oder reagieren stark verunsichert auf
äußere Reize.
Zwischen einem Hund, der den ganzen Tag allein
in einem Zwinger steht, und einem
Familienhund liegen Welten.
Die Interaktion fehlt, die Erfahrung fehlt, die Welt
wird klein – im wörtlichen und im
übertragenen Sinne.
Und ein Hund, der nur selten Reize erlebt, kann
sie später nicht gut einschätzen.
Natürlich gibt es auch Züchter, die
verantwortungsbewusst arbeiten und deren
Hunde zwar zeitweise in einem Zwinger stehen,
aber dennoch vollwertige
Familienmitglieder sind.
Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich gut
informieren und genau hinschauen.
Die situationen managen
Ausrasten an der Leine: Instinkt
verstehen,
Viele Pyrenäenberghunde neigen dazu, an der
Leine auszurasten.
Grundsatz: Vorbeugen ist besser als korrigieren.
Hilfreiche Strategien:
den Hund systematisch auf JA denken
konditionieren
Aufmerksamkeit belohnen
frühzeitig ablenken
die Richtung wechseln
zu ruhigeren Zeiten spazieren gehen
einen Bogen um schwierige Hunde machen
nicht stehenbleiben (Fixieren verstärkt das
Verhalten)
Wenn er sehr stark ist und Sie ihn kaum halten
können:
Das ist keine Schwäche – Pyrenäenberghunde
sind extrem kräftig.
Man braucht kreative Lösungen.
In manchen Fällen ist ein Maulkorb sinnvoll – als
reine Sicherheitsmaßnahme.
Geduld, Verständnis und Akzeptanz
seines Instinkts
Ein Pyrenäenberghund:
bellt, wenn er es für nötig hält schützt, wenn er es
für nötig hält kommt, wenn er kommen möchte
hört, wenn er es sinnvoll findet entscheidet oft
selbstständig-
Das alles gehört zu seinem angeborenen
Herdenschutzhund-Instinkt.
Man kann dieses Verhalten nicht „wegtrainieren“.
Trainer ohne Rasseerfahrung scheitern fast
immer. Nur wer seine Natur akzeptiert, bekommt
eine tiefe, vertrauensvolle Bindung.
Jeder Hund ist anders
Jeder Pyrenäenberghund hat:
sein eigenes Temperament
seine eigenen Grenzen
sein eigenes Lern-Tempo
Was bei einem Hund funktioniert, muss bei
einem anderen nicht funktionieren.
Es geht immer um gegenseitiges Vertrauen.
Der Pyrenäenberghund,
der im Zwinger lebt
Wichtige Grundlagen für das
Verständnis des
Pyrenäenberghunds
Es gibt einige wesentliche Punkte, die man
unterscheiden und berücksichtigen muss.
Der Pyrenäenberghund wurde im Laufe
der Geschichte für sehr unterschiedliche
Aufgaben eingesetzt.
Unter anderem:
•
als Wächter von Schaf- und
Ziegenherden gegen Wölfe, Luchse und
andere Raubtiere
•
als Wachhund großer Burgen und
Landgüter und sogar als Begleithund
zur Versorgung abgelegener, isolierter
Dörfer in Notzeiten
Seine ursprüngliche und wichtigste
Aufgabe über viele Jahrhunderte war
jedoch der Schutz der Herde. Er bewachte
und verteidigte sie gegen Raubtiere und
auch gegen menschliche Eindringlinge.
Wenn der Hirte schlief, übernahm der
Hund die Nachtwache. Er trug einen
breiten Halskragen mit eisernen Stacheln,
um ihn im Kampf zu schützen.
Er stellte sich strategisch erhöht auf, um
alles überblicken zu können, und machte
regelmäßig Kontrollgänge.
Schon durch seinen tiefen, mächtigen
Bellen hielten sich viele Angreifer fern.
Diese Eigenschaften sind tief in seinen
Genen und Instinkten verwurzeld.
Tagsüber wirkt er oft ruhig und unauffällig,
manchmal sogar schläfrig – doch bei der
kleinsten Unregelmäßigkeit ist er sofort
hellwach.
Der Pyrenäenberghund im
modernen Einsatz
Auch heute wird der Pyrenäenberghund
noch eingesetzt.
Er hat viele seiner ursprünglichen
Eigenschaften vollständig beibehalten.
Auf abgelegenen Höfen in Europa, in den
USA und in Kanada arbeitet er weiterhin
als echter Herdenschutzhund.
Ein großes Problem dieser Rasse ist, dass
sie kaum zwischen bekannten und
unbekannten Bedrohungen unterscheidet.
Hört er ein vertrautes Geräusch, bleibt er
oft ruhig.
Kommt jedoch ein Fremder zu nah an sein
Territorium, folgt er ihm aufmerksam und
beginnt zu bellen, um seinen Besitzer zu
warnen.
Eine Person, die seine Grenze
überschreitet, würde er nicht einfach in ein
Haus oder auf ein Gelände lassen. Ein
Angriff erfolgt nur in extremen
Ausnahmesituationen – aber wenn es dazu
kommt, ist der Hund aufgrund seiner Kraft
und Entschlossenheit kaum aufzuhalten.
Seine Intelligenz ermöglicht es ihm,
Geräusche und Situationen sehr genau zu
unterscheiden. Lässt man ihn abends
draußen, beginnt er sofort damit, sein
Areal zu patrouillieren. Jede
Unregelmäßigkeit meldet er lautstark – das
ist seine Natur.
Charaktereigenschaften: Stärke,
Temperament und Sensibilität
Der Pyrenäenberghund ist ein Hund mit
viel Charakter und Temperament.
Er ist sanft, aber zugleich misstrauisch,
aufmerksam und eigenwillig.
Er lässt sich nicht leicht täuschen, trifft
gerne selbst Entscheidungen und besitzt
einen starken Willen zur Unabhängigkeit.
Deshalb ist es entscheidend, dass:
•
er seinem Menschen vertraut
•
er weiß, dass seine Bezugsperson klar,
konsequent und fair ist
•
er früh lernt, zuverlässig
zurückzukommen
•
er viele Kontakte zu Menschen, Tieren
und unterschiedlichen Umweltreizen
erhält
Von Natur aus ist er eher dominant und
freiheitsliebend. Ohne korrekte Führung
geht er schnell „seinen eigenen Weg“.
Gerade gegenüber größeren Hunderassen
kann er weniger tolerant sein, daher ist
intensive Sozialisation unverzichtbaar.
Unsere eigenen Hunde begegnen täglich
vielen Hunden, laufen problemlos ohne
Leine und sind sozial –aber das erreicht
man nur durch viel Zeit, konsequente
Erziehung und bewusste Sozialkontakte.
Kein Hund zum „scherzen“:
Verantwortung im Umgang
Ein Pyrenäenberghund darf nie zu agressiv
gedrag aangemoedigd werden.
Er ist nicht die einfachste Rasse zur
Erziehung – er verlangt:
klare Regeln
gerechtigkeit
sehr viel Geduld
liebevolle, consequente begeleitung
en wichtig ist : Aufbau von Selbstvertrauen
Wenn man all das berücksichtigt, ist er ein
wundervoller, anhänglicher und mutiger
Hund.
Er hat einen weichen, warmen Charakter,
eine tiefe, ehrliche Ausstrahlung und oft
eine fröhliche, leicht schelmische Art.
Gerade wenn man denkt, man habe ihn
verstanden, überrascht er einen wieder
aufs Neue.
Das ist typisch Pyr.
Pyrenäenberghunde als
Herdenschutzhunde
Ein Hund kann nur dann zuverlässig eine
Herde schützen, wenn er in ihr geboren
und aufgewachsen ist.
Diese Welpen wachsen direkt unter
Schafen, Ziegen oder Rindern auf.
Die Tiere beschnuppern die Welpen,
spielen mit ihnen und akzeptieren sie als
Teil der Herde.
Solche Hunde:
•
betrachten die Weide als ihr Territorium
•
tolerieren dort keine fremden Hunde
oder Raubtiere
•
reagieren hochsensibel auf jede
Störung
•
treffen eigenständige Entscheidungen
zur Gefahreneinschätzung
Es handelt sich um einen völlig anderen
Typ Hund als einen Familienhund.
Beide stammen zwar aus derselben Rasse,
aber ihre Lebensumstände formen ihr
Verhalten extrem unterschiedlich.
Der Pyrenäenberghund als
Wolfsabwehrhund in den
Niederlanden
In den Niederlanden wurden Versuche
gestartet, Pyrenäenberghunde zur Abwehr
von Wölfen einzusetzen. Deutschland hat
bereits mehrere Wolfsrudel, und die Tiere
breiten sich stetig Richtung Niederlande
aus. Bereits jetzt wurden mehrere Schafe
gerissen.
Da der Wolf eine streng geschützte Art ist
und nicht geschossen werden darf, greifen
viele Schäfer zu Herdenschutzhunden.
Ein Schäfer aus Overijssel war der erste,
der einen Pyrenäenberghund einsetzte.
Ein kleines, nettes Familienhündchen kann
keinen Wolf stoppen –aber ein
Pyrenäenberghund kann es. Sein
Charakter unterscheidet sich jedoch
grundlegend von einem Hund, der im
Familienumfeld aufgewachsen ist.
Pyrenäenberghunde als
Familienmitglieder
Ein Pyrenäenberghund, der in einer
Familie lebt, ist weniger distanziert und
reagiert auf Umweltreize kontrollierter,
weil er sie kennt.
Er ist:
•
eigenwillig
•
selbstständig
•
überraschend unberechenbar im
positiven Sinne („Heute so, morgen
anders“)
•
Man ruft ihn – heute kommt er sofort,
morgen nach fünf Minuten,
übermorgen nach zehn.
•
Das gehört zu seinem Wesen.
•
Beim Spaziergang ist er oft fixiert auf
seine Umgebung; dass der Mensch
dahinter läuft, ist eher nebensächlich.
That’s a Pyr.
Diese Hunde sind mutig, stolz, sanft und
treu.
Sie beschützen ihre Familie und lassen
keinen Fremden einfach ins Haus.
Im Haus sind sie ruhig, unaufdringlich und
keine „Dauerbespaßungshunde“ wie
manche arbeitsintensiven Rassen.
Wenn man ihnen tagsüber genügend
Aufmerksamkeit, Bewegung und geistige
Auslastung gibt, sind sie abends
ausgeglichen und entspannt –
es sei denn, sie hören etwas
Ungewöhnliches.
Kommt jemand am Garten vorbei, wird er
anschlagen.
Das ist normal und kontrollierbar, wenn
man konsequent daran arbeitet.
Ununterbrochenes Bellen muss man früh
korrigieren, denn es löst im Gehirn ein
Belohnungsgefühl aus – und das verstärkt
das Verhalten.
Sie benötigen viel Raum, geistige Aufgaben
und klare Grenzen.
Wie Erziehung das Wesen formt
Wie bei Menschen wird auch beim Hund
ein großer Teil des Charakters durch:
•
Erziehung
•
Umwelt
•
Erfahrungen
•
geformt.
Der Pyrenäenberghund ist von Natur aus:
•
selbstständig
•
stolz
•
dominant
•
eigenwillig
•
wachsam
Diese Merkmale bleiben, aber wie sie sich
ausdrücken, hängt stark von der Umwelt
ab.
Schon Welpen im selben Wurf zeigen
unterschiedliche Charaktere:
•
manche schlafen viel und sind ruhig
•
manche sind aktiv und neugierig
•
dominante Welpen schlafen weniger
•
ruhigere Welpen sind eher unterwürfig
Jeder Hund ist einzigartig.
Die Persönlichkeit entsteht aus Charakter
+ Gewohnheiten + gelernten
Verhaltensmustern.
Man kann einiges verändern oder
verbessern – aber das angeborene Wesen
bleibt.
Aggressives Verhalten entsteht häufig
durch:
•
zu wenig Aufmerksamkeit
•
mangelnde Liebe
•
schlechte Erfahrungen
•
eine stressige oder reizarme Umgebung
Unsere eigenen Hunde leben bei uns im
Haus, nicht im Zwinger.
Sie sind ein Teil unseres Alltags –
und genau das prägt ihren Charakter
positiv.
Missverstanden und falsch eingeschätzt
In letzter Zeit höre ich häufig:
„Diese Hunde sind doch gar nicht geeignet als Familienhund –
die müssen draußen leben.“
Dieses Bild entsteht leider durch die vielen Hunde, die in
Zwingern gehalten oder nur als Wachhunde oder
Herdenschutzhunde genutzt werden.
Man darf aber nicht vergessen:
Hunde, die so gehalten werden, entwickeln oft ein völlig
anderes Verhalten. Meine Erfahrung zeigt:
Sie sind:
•
häufiger ängstlich
•
schneller geneigt, zu reagieren oder auszufallen
•
distanzierter
•
deutlich weniger sozial
•
Das ist kein rasstypisches Verhalten, sondern eine Folge
von fehlenden
•
Erfahrungen.
Verhalten und Erbgut: Wie entsteht
Charakter wirklich?
Unabhängig von Erziehung oder Umwelt müssen wir
berücksichtigen, dass der
Pyrenäenberghund ursprünglich ein Wach- und Schutzhund ist.
Die Nachkommen erben bestimmte Verhaltensmerkmale über
die Allele der Eltern.
Monogene Vererbung
Ein einzelnes Allel kann dominant oder rezessiv sein.
Die Kombination der zwei geerbten Allele bildet das Genotyp,
das bestimmte Charaktereigenschaften beeinflusst.
Beispiele:
Manche Verhaltensweisen sind direkt genetisch bestimmt.
Es spielt keine Rolle, in welcher Umgebung ein Hund aufwächst
– er wird bestimmte rassetypische Instinkte immer zeigen.
Ein Wachhund wird wachen.
Ein Jagdhund wird jagen wollen.
Dieser erblich bedingte Anteil beträgt etwa 20%.
Polygenetische Vererbung
Viele Charaktermerkmale entstehen durch das Zusammenspiel
mehrerer Gene, oft mit vielen Varianten. Dadurch erklären sich
die erheblichen Unterschiede zwischen Pyrenäenberghunden
derselben Rasse. Hunde, die in Zwingern oder auf abgelegenen
Feldern leben, zeigen häufig ähnliche Muster:
•
mehr Angst
•
mehr Unsicherheit
•
schnelleres aggressives Verhalten
Nicht omdat ze „slechter“ zijn, maar omdat Umwelt + Genetik
hier unglücklich zusammenwirken.
Multifactoriële Eigenschaften:
Genetik + Umwelt gemeinsam
Manchmal wirken mehrere Gene und mehrere Umweltfaktoren
zusammen. Dann sprechen wir von multifaktoriellen Merkmalen.
Das kommt selten vor – aber:
Wenn viele Hunde unter nahezu identischen Zwinger-
bedingungen aufwachsen, erhöht das die Wahrscheinlichkeit,
dass solche negativen Muster immer wieder auftreten:
•
wenig Reize
•
monotone Umgebung
•
kaum Sozialkontakte
•
Das beeinflusst unweigerlijk das Sozialverhalten –
unabhängig von der genetischen Basis.
Verantwortung der Zucht:
Verhalten testen und einschätzen
Die deutsche Rassevereniging, bij wie wir angeschlossen sind, legt
großen Wert auf:
•
Wesensprüfungen
•
Angsttests
•
Aggressionstests
Nur Hunde, die all diese Prüfungen bestehen, dürfen zur Zucht
eingesetzt werden. Schon kleinste Anzeichen von Angst oder
Aggression führen zum Ausschluss.
Das bedeutet:
→ Viele negative Verhaltensfaktoren werden bereits vor der Zucht
ausgeschlossen.
→ Käufer erhalten dadurch Hunde mit deutlich besseren
Voraussetzungen.
→ Unsere eigenen Hunde leben mit uns, nicht für uns und sind
vollwertige Familienmitglieder.
Ein Züchter muss das Wesen der Hunde in seine Entscheidungen
einbeziehen und die Umweltbedingungen optimieren.
Ein Käufer kann und sollte sich zusätzlich informieren, z. B. durch
Stammbaumanalysen oder Einsicht in Verhaltenstests.
Warum genetische Analysen wichtig sind
Monogene Probleme erkennen
Bei monogen vererbten Verhaltensproblemen hilft eine Stammbaum-
analyse, um Träger zu identifizieren. Nur so lässt sich ein Zuchtplan
erstellen, der problematische Allele reduziert.
Multifaktorielle Probleme erkennen
Bei Umwelt-bedingten Störungen muss man genau analysieren:
Welche Faktoren lösen das Verhalten aus?
Welche Bedingungen verstärken es?
Wie kann man sie abstellen oder abmildern?
Nur so lassen sich unerwünschte Eigenschaften reduzieren.
Lücken in der offiziellen Rassestandard-Beschreibung
In vielen Rassestandards werden typische Verhaltensmerkmale
•
detailliert beschrieben.
•
Beim Pyrenäenberghund fehlt jedoch oft eine klare
•
Aufschlüsselung seiner:
•
Anlagen
•
sozialen Fähigkeiten
•
naturbedingten Arbeitsweisen
Ich bin der Meinung, dass manche Unterschiede zwischen den
drei Typen der Rasse (Familienhund, Kennelhund, Herdenschutzhund)
nicht beschrieben werden, obwohl sie in der Praxis relevant sind.
Wenn bestimmte Eigenschaften nicht erblich sind, gehören sie
nicht zur Rasse – sondern zur Umwelt, in der der Hund aufwächst.
Ich hoffe, dass diese Erläuterungen helfen, das Verhalten des
Pyrenäenberghunds besser einordnen zu können.
Verhalten des Pyrenäenberghundes verändern
Eine Verhaltensänderung bei einem Pyrenäenberghund ist
möglich. Eine aktuelle Studie hat gezeigt dat Hunde-
persönlichkeiten – anders dan lange angenommen – sich im
Laufe des Lebens durchaus verändern können.
Die Forscher befragten Tausende Hundehalter verschiedener
Rassen und Altersstufen und stellten
fest, dass Alter, Persönlichkeit des Hundes und Persönlichkeit
des Besitzers miteinander in Beziehung stehen.
So zeigte sich beispielsweise, dass ältere Hunde wesentlich
schwerer zu trainieren sind als Hunde im Alter von etwa sechs
Jahren. Ein Welpe ist oft noch zu verspielt und ungestüm,
während ein Sechsjähriger noch nicht allzu viele feste
Gewohnheiten entwickelt hat.
Der Forscher stellte zudem fest,
dass Hunde häufig den Charakter ihres Menschen
widerspiegeln:
Extravertierte Menschen beschreiben ihren Hund eher als
aktiv und überschwänglich, während ausgeglichene oder
zurückhaltende Menschen ihren Hund eher als ruhig und
gelassen erleben. Alles hängt miteinander zusammen.
Der Pyrenäenberghund und das Bellen
Viele Menschen fragen uns:
„Wie lange kann mein Hund allein bleiben?“
„Welches ‘Aufgabchen’ kann ich ihm geben?“
„Hilfe, er bellt!“
Ein Pyrenäenberghund hat von Natur aus eine Aufgabe:
Er schützt die Herde. Er schützt das Gelände. Dieses Verhalten
ist tief in ihm verankert.
Ein „Hausaufgabchen“ wie den Abwasch erledigen – nein,
dass funktioniert nicht.
Eine Kong-Beschäftigung, ein Kauknochen… all das hilft, aber
nur kurz.
Wenn Sie täglich länger als vier Stunden außer Haus sind, wird
das Bellen,
Zerstören oder andere Problemverhalten mit großer
Wahrscheinlichkeit auftreten.
Und Ärger mit den Nachbarn kommt fast automatisch dazu.
Welpen und das Alleinbleiben
Bei einem Welpen sieht es anders aus:
Sie können ihn langsam daran gewöhnen, kurze Zeit allein zu
bleiben – aber wirklich nur kurz.
Maximal eine Stunde, und am besten, wenn er müde ist.
Der Welpe muss lernen, Ihnen zu vertrauen. Wenn dieses
Vertrauen gebrochen wird, entstehen oft späteres
Bellen, Stress oder Zerstörungsverhalten.
Ab etwa vier bis fünf Monaten kann man die Zeiten langsam
ausbauen. Wenn Sie länger weg müssen: Suchen Sie bitte eine
Betreuungsperson.
Denken Sie daran:
Ein neues Zuhause bedeutet Stress. Er kommt aus einem
warmen Nest und braucht Zeit, sich sicher zu fühlen. In den
ersten sechs Monaten sollten Sie nicht länger von zu Hause
weg sein. Genau hier entstehen später die meisten Probleme.
Wenn Sie ihn draußen sein lassen können, um das Grundstück
zu bewachen – ohne dass Nachbarn sich beschweren –
dann erfüllt er eine natürliche Aufgabe. In solchen Fällen
entstehen in der Regel kaum Probleme, außer wenn
Menschen sein Verhalten missverstehen.
Das natürliche Instinktverhalten des Pyrenäenberghundes
Wir hören sehr oft:
„Hilfe, er bellt!“
„Hilfe, er zieht und fällt an der Leine aus!“
„Hilfe, er schnappt oder gromt!“
„Hilfe, er jagt Radfahrer!“
Viele Menschen sind kurz davor, aufzugeben.
Ein Pyrenäenberghund ist ein sehr besonderes Wesen.
Wir werden niemals sagen: „Ach, machen Sie sich keine Sorgen.“
Sie müssen vorher überlegen, ob ein Hund mit solch besonderen
Bedürfnissen in Ihr Leben passt.
Denn: Er bellt, wann er will.
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Man kann ihn ablenken und ihm systematisch beibringen,
„JA“ zu denken.
Es ist die beste Methode – aber keine Garantie.
Es kostet Zeit, Geduld, Konsequenz und Kreativität. Anfangs
hilft ein kleines Leckerchen, um seine Aufmerksamkeit
umzulenken.
Bellen kann man nicht abtrainieren – nur steuern
Es ist seine Natur.
Ganz abtrainieren können Sie es nie.
Aber Sie können es steuern, indem Sie:
•
gewünschtes Verhalten belohnen,
•
unerwünschtes Verhalten korrigieren,
•
seine Aufmerksamkeit gewinnen.
Ein Pyrenäenberghund bellt, um zu signalisieren, dass er
Wache hält.Manchmal benutzen wir ein kleines „
Wasser-Schreckmoment“. Es funktioniert nicht
immer und darf nicht ständig eingesetzt werden. Ebenso
klopfen wir manchmal ans Fenster – auch das lenkt ihn kurz ab.
Wenn er aufhört: sofort loben.
Wenn er unnötig weitermacht: sanft korrigieren.
Praktische Möglichkeiten zur Reduzierung
•
hohe Sichtschutz-Zäune
•
Musik im Haus, damit er weniger hört
•
Vorhänge zu
•
ihn nicht an die Haustür lassen
Und vor allem: Akzeptieren, dass Bellen zu seinem Wesen
gehört. Regulieren – nicht eliminieren.
Der Pyrenäenberghund: Familiebindung,
Instinkt und Verantwortung
Ein Pyrenäenberghund liebt seine Familie von Natur aus –
und genau deshalb schützt er sie.
Bei Herdenschutzhunden sieht man häufig, dass sie sich stark
auf eine einzelne Bezugsperson fixieren. Daher ist es sehr
wichtig, dass ein Welpe von Anfang an mit mehreren
Bezugspersonen aufwächst: mit der ganzen Familie und mit
regelmäßigen Besuchern. Er muss lernen, Nähe und Vertrauen
nicht nur an eine Person zu binden.
Besuch im Haus: Instinkt, Territorium und Vorsicht
Ein Pyrenäenberghund kann knurren, wenn jemand das
Haus betritt.
Das ist kein Fehlverhalten, sondern sein natürlicher
Schutzinstinkt.
Er ist von Natur aus reserviert, misstrauisch oder sogar
abwehrend gegenüber Fremden –
denn das Haus ist sein Territorium.
Wir erleben es selbst:
Freunde, Bekannte und Familie kommen und gehen bei uns.
Unsere Hunde sind freundlich und offen – aber ein Hund aus
einer Wiedervermittlung, der schwere Erfahrungen gemacht hat,
ist besonders aufmerksam und angespannt. Elf Monate
lang lief alles problemlos. Doch eines Tages waren wir zu
nachlässig – und er schnappte zu.
Das war unsere Verantwortung. Wir hätten nie lockerer
mogen werden.
Diese Erfahrung hat uns gelehrt:
Ein Pyrenäenberghund ist liebevoll und sanft –
aber sein Instinkt kann sich in Sekunden einschalten.
Körpersprache lesen: Die wichtigste Grundlage
Man muss die Körpersprache seines Hundes lesen lernen:
Wann fühlt er sich sicher?
Wann ist er angespannt?
Welche Warnsignale sendet er aus?
Das erfordert Geduld und Erfahrung – aber es ist unerlässlich
für die Sicherheit aller Beteiligten.
Grenzen setzen von Beginn an
Wenn er knurrt oder die Zähne zeigt, muss man konsequent
korrigieren.
Deutliche, kontrollierte Korrekturen können sein:
ein kurzes Anfassen am Nackenfell
das sanfte Umfassen des Fangs
Dies muss bereits im Welpenalter geschehen.
Ein Pyrenäenberghund darf nicht selbst entscheiden, was
erlaubt ist und was nicht.
Man kann nicht in seinen Kopf schauen.
Es kann monatelang gutgehen – und dann plötzlich kippt
eine Situation. Darum ist Wachsamkeit so wichtig.
Sicherheit geht immer vor
Wenn er in den Wachmodus schaltet, während Besucher das
Haus betreten oder
verlassen, ist es besser, ihn in einem anderen Raum
unterzubringen.
Lassen Sie niemals Futter, Spielzeug oder andere Gegenstände
herumliegen – ein Pyrenäenberghund beschützt Besitz
genauso wie seine Familie.
Und eines sollte jeder verstehen:
Wenn ein Hund beißt, trägt niemals der Besucher die Schuld.
Die Verantwortung liegt immer beim Besitzer.
Ein Freund fürs Leben
Wer:
•
seinen Instinkt versteht
•
seine Körpersprache liest
•
ihn konsequent und fair führt
•
seine Persönlichkeit respektiert
…bekommt einen Hund, der mit
unerschütterlicher Loyalität liebt und
beschützt.
Ein Pyrenäenberghund wird nie ein
„Jedermanns-Hund“ sein.
Aber wenn er Ihr Freund wird, dann ist
es für ein ganzes Leben.